Hypnose

Die Schmerzkontrolle war schon immer eines der wichtigsten Anwendungsgebiete von Hypnose. Bis zur Einführung von Äther und Chloroform war die Hypnose eines der wenigen wirksamen „Schmerzmittel“ (Anästhetika). Schon 1893 wurde die Behandlung von Migräne mit Hypnose beschrieben. Heute ist die Hypnose bei der Behandlung von Schmerzen gut etabliert. Hypnose wird insbesondere dann empfohlen, wenn die üblichen Schmerzmittel nicht wirken oder aus medizinischen Gründen (z.B. Schwangerschaft) nicht angewandt werden können. Darüber hinaus kann Hypnose auch als ergänzende Methode im Rahmen von Schmerzbewältigungsstrategien eingesetzt werden. Hypnose kann sowohl bei akuten (z.B. Zahnschmerzen) als auch bei chronischen Schmerzen (z.B. Kopf- und Rückenschmerzen) angewandt werden.

Die Wirksamkeit von Hypnose in der Behandlung von Schmerzen ist inzwischen wissenschaftlich gut belegt.

  • Wie läuft die Hypnose ab?
    Der Therapeut führt den Patienten in einen tiefen Entspannungszustand, die sog. Trance. Kennzeichnend dafür ist eine veränderte Zeit- und Außenwahrnehmung: Die Zeit vergeht meistens „wie im Flug“, und äußere Reize wie z.B. Straßenlärm werden komplett ausgeblendet. In diesem Zustand ist das Gehirn besonders aufnahmefähig und kreativ. Die oft zitierte Willenlosigkeit unter Hypnose ist nach heutigem Erkenntnisstand ein Vorurteil.
  • Wie wirkt die Hypnose bei Schmerz?
    Der Schmerzpatient entwickelt innere Bilder und leitet darüber Veränderungsprozesse ein. Dies können Vorstellungsbilder zum Schmerz sein, die dann verändert werden, z.B. bei Migräne der Schmerz als ein brodelnder Vulkan, der zunehmend erkaltet. Oder der Patient entwickelt vom Schmerz ablenkende Bilder, beispielsweise einen inneren Ort des Wohlbefindens. Dadurch kommt es zur Schmerzlinderung und in einigen Fällen auch zu einer vorübergehenden Schmerzfreiheit.
    Durch Hypnose verändert sich zudem die Schmerzverarbeitung, wie Messungen am Gehirn zeigen konnten. Das Leiden unter dem Schmerz wird nachweislich geringer, indem es dem Betroffenen gelingt, eine größere Distanz zum Schmerz aufzubauen und den Schmerz eher wie ein Beobachter von außen wahrzunehmen.
  • Wie funktioniert Selbsthypnose?
    Im Rahmen der Selbsthilfe können die zusammen mit einem Therapeuten entwickelten Strategien auch als Selbsthypnose eingesetzt und weiterentwickelt werden. Schmerzpatienten lernen hierbei zunächst, sich auf ihre eigene Art in einen Trancezustand zu versetzen, und stellen sich dann die zuvor erarbeiteten inneren Bilder zur Schmerzkontrolle erneut vor. In der Regel kann in Selbsthypnose eine ähnliche Schmerzlinderung wie unter Anleitung durch einen Therapeuten erreicht werden.
  • Grenzen der Hypnose bei Schmerzen
    Hypnose kann Betroffene nicht komplett vom Schmerz befreien, sondern realistischerweise nur eine Linderung oder vorübergehende Schmerzfreiheit erreichen. Unrealistische oder zu hohe Erwartungen verhindern meistens eine gute therapeutische Kooperation (z.B. indem Versuche, den Schmerz lediglich zu lindern, zunächst nicht akzeptabel erscheinen). Ebenso ist eine passive Grundhaltung hinderlich für die auf aktive Mitarbeit ausgerichtete hypnotische Schmerzkontrolle. Zudem fällt es bei manchen Krankheitsbildern den Betroffenen schwer, den Anleitungen des Therapeuten in Trance zu folgen (z.B. entwickeln Patienten stattdessen eigene Bilder) oder sich in einen entspannten Zustand „fallen zu lassen“ (z.B. bei traumatischen Erlebnissen in der Vorgeschichte).

    Grundsätzlich sollte die Hypnose immer in eine anerkannte Psychotherapieform (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie) eingebettet werden. Die Kosten werden in diesem Fall von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, bei privaten Versicherungen sind die Vorgaben für die Kostenerstattung häufig etwas weniger streng. Ein Therapeut ist dann geeignet, wenn er über ausreichend Erfahrung in der Behandlung durch Hypnose bei Schmerzen verfügt, sich für den Patienten interessiert und dieser ihm Vertrauen schenken kann.

Autorin: Anke Pielsticker