Seit Herbst 2020 existiert der digitale Journal Club des AK "Junge Schmerzgesellschaft" der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. zum Thema Schmerz. Dieser findet online statt und alle Interessierten können nach einer Anmeldung via E-Mail (info.junge@schmerzgesellschaft.de) daran teilnehmen. Die behandelten Themen zeigen die Interdisziplinarität und Vielfalt der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. auf.

 

Geplante Journal Clubs:

 

08.06.2021, 19:00-20:00 Uhr

Titel: Kognitionen in der chronischen Schmerzerfahrung

Vorstellende Person: Nils Reiter, Physiotherapeut - Alice Salomon Hochschule Berlin

Phelps, C. E., Navratilova, E., & Porreca, F. (2021). Cognition in the Chronic Pain Experience: Preclinical Insights. Trends in Cognitive Sciences.

Zusammenfassung der Diskussion im Journal Club:

 

Nach dem schönen Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion. Angemerkt wurde, dass Physiotherapie in dem Paper nicht mehr Beachtung findet, da grade in der Physiotherapie neues schmerzfreies Erleben von Bewegung gefördert wird und dadurch neue Gedächtnisinhalte entstehen. Hier wurde die Parallele zur Behandlung von Angststörungen (Lernen neuer Gedächtnisinhalte durch z.B. Exposition) gezogen, wobei noch einmal deutlich wurde, wie wichtig die neuen Erfahrungen in der Physiotherapie (z.B. graded activity Ansatz) für den chronischen Schmerzpatient*innen sind. Dabei tauschten die Teilnehmer*innen Erfahrungen aus, die zeigten, wie schwierig im Klinikalltag und in der ambulanten Behandlung der Austausch zwischen den Berufsgruppen ist, da das System die nötige Zeit dafür nicht zur Verfügung stellt/nicht vergütet.

Ein weiterer Aspekt der angesprochen wurde, ist, dass eine Neurogenese auch durch Kraftsport angeregt werden kann und dies möglicherweise ach den kognitiven Beeinträchtigungen entgegenwirken kann.

Im Erfahrungsaustausch wurde deutlich, dass passive Anwendungen, die nicht evidenzbasiert sind, in der Physiotherapie noch zu häufig verwendet wurden. Auch in anderen Professionen sind Methoden geläufig, die nicht wirklich evidenzbasiert sind. Hier wurde auch überlegt, dass Behandler*innen ebenso wie Patient*innen gerne eine neue Therapie, die Hoffnung für schwer zu behandelnde chronische Schmerzen verspricht, glauben möchten.

Es gab auch die kritische Diskussion der im Artikel vorgeschlagenen Medikamente. Hierbei wurde deutlich, das manche Ansätze schon umgesetzt werden (z.B. bestimmte Medikation perioperative bei Amputationen um Phantomschmerz zu verhindern), aber viele medikamentöse Ansätze noch experimentell sind und noch nicht in Leitlinien stehen.

Auch der Aspekt der besonders schnellen Konditionierung Abspeicherung von Schmerzen oder Gedächtnishinhalten die mit Schmerz verknüpft sind, wurde diskutiert. Hier wurde berichtet, dass es durch einzelne traumatische Schmerzerlebnisse zu einer rapid chronification kommen kann. 

Das Zusammenspiel von Kognition und Lernen wurde auch in den Vordergrund gestellt. Für das abspeichern neuer Erfahrungen, mit keinem oder nur wenig Schmerz assoziiert sind, muss der*diejenige auch einen Fokus auf diese Ereignisse legen. Sonst ziehen grade schmerzassoziierte Ereignisse besonders die Aufmerksamkeit auf sich, was eine Speicherung erleichtert und schmerzlose Ereignisse werden ignoriert.

 

 

03.08.2021, 19:00-20:00 Uhr

Titel: Psychologische und psychosoziale Prädiktoren postoperativer chronischer Schmerzen

Vorstellende Person: Julia Weiß, Psychologische Psychotherapeutin - CaritasKlinikum Saarbrücken

Giusti, Emanuele; Lacerenza, Marcoc; Manzoni, Gian Maurod; Castelnuovo, Gianlucaa, Psychological and psychosocial predictors of chronic postsurgical pain: a systematic review and meta-analysis, PAIN: January 2021 - Volume 162 - Issue 1 - p 10-30
 

28.09.2021, 19:00-20:00 Uhr

23.11.2021, 19:00-20:00 Uhr

18.01.2022, 19:00-20:00 Uhr