Schmerztherapie in Schwangerschaft und Stillzeit

Drei Botschaften sollen an den Beginn dieses Themas gestellt werden:


Erste Botschaft:
In der Schwangerschaft und während der Stillzeit sollen so wenig Medikamente wie möglich eingenommen werden. Es gibt nämlich kein Medikament, weder aus dem Bereich der Schulmedizin, noch aus dem Bereich der naturheilkundlichen Medikamente, das völlig ungefährlich ist und ohne jedes Risiko in der Schwangerschaft und während der Stillzeit eingenommen werden kann.


Zweite Botschaft:
Es gibt etliche nicht–medikamentöse Verfahren, mit denen unterschiedliche Schmerzen zuverlässig gebessert werden können und die dann keine negativen Auswirkungen auf das ungeborene Kind ausüben können.


Dritte Botschaft:
Wenn Medikamente eingenommen werden müssen, weil der Schmerz zu stark oder zu lang anhaltend ist, dann sollen geeignete Medikamente ausgewählt und diese Medikamente ausreichend hoch dosiert werden. Ein Beispiel hierfür: Ibuprofen ist ein zuverlässiges, in der Schwangerschaft geeignetes Mittel gegen Schmerzen.

Denken Sie generell daran: Es ist für das ungeborene Kind wahrscheinlich ungünstiger, wenn Sie an starken, unbehandelten Schmerzen leiden, weil sich dadurch Ihre Blutgefäße verengen und Ihr Kind eventuell zu wenig Blut und damit Sauerstoff bekommt. Das würde schlimmere Auswirkungen haben, als eine gelegentliche Tabletteneinnahme, so lange es sich um geeignete Medikamente handelt.
Noch eine wichtige Vorbemerkung: Viele Frauen bemerken erst nach einigen Wochen, dass sie schwanger sind. In dieser Zeit haben sie möglicherweise bereits verschiedene Medikamente eingenommen und machen sich jetzt Sorgen, was passieren könnte.
Wenn es tatsächlich zu einer Schädigung in der frühesten Phase der Schwangerschaft gekommen sein sollte, kann es zu einem frühen Absterben der Frucht kommen. In den allermeisten Fällen wird eine solche ungewollte Medikamenteneinnahme aber keine negativen Folgen auf die weitere Entwicklung des ungeborenen Kindes haben.

Schmerzbehandlung ohne Medikamente:

Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, Schmerzen in der Schwangerschaft ohne die Einnahme von Medikamenten angehen zu können. Manche Verfahren sind nicht für alle Frauen gleich gut geeignet, aber Sie werden das jeweils für Sie am besten geeignete Verfahren herausfinden können. Geeignete Vorgehensweisen, Schmerzen ohne Medikamente angehen zu können, sind z.B.

Bei Kopfschmerzen:

  • Spaziergänge und frische Luft.
  • Kompressen auf der Stirn und im Nacken
  • Eine leichte Massage von Schläfen, Stirn und Nacken mit Pfefferminzöl.
  • Ausreichendes Trinken und regelmäßiges Essen.
  • Rauchen und Alkohol sollen vermieden werden.
  • Ausreichende Ruhepausen und genug Schlaf.
  • Entspannungstechniken können helfen, Kopfschmerzen sogar vorzubeugen.
  • Akupunktur kann wirken. Der Behandler muss aber über die bestehende Schwangerschaft informiert werden.

Bei Rücken-  und Gelenkschmerzen:

  • Wärme kann Verspannungen lösen und wirkt wohltuend auf Muskeln und Gelenke.
  • Bei Schmerzattacken oder Dauerschmerzen können ein warmes Bad, eine Wärmflasche oder ein erhitztes Kirschkernkissen Wunder wirken.
  • Schwangere Frauen sollten zur Entlastung der Muskeln und Gelenke regelmäßige Ruhepausen in ihren Alltag einzubauen.
  • Schwere körperliche Arbeiten – beispielsweise schweres Heben oder Tragen – sollten mit fortschreitender Schwangerschaft unterbleiben.
  • Stress und psychische Belastungen führen zu Verspannungen und können Schmerzzustände auslösen oder verstärken. Eine frühzeitig erlernte Entspannungs-therapie ist in der Schwangerschaft daher besonders wichtig.
  • Massagen oder bestimmte Yoga-Formen sind geeignet.
  • Bewegung lindert. Gezielte Übungen zur Kräftigung des Rückens, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Aqua-Gymnastik oder Yoga sind als Ausgleichssport in der Schwangerschaft besonders gut geeignet. Wichtig sind auch regelmäßige Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens.
  • Zur Entlastung der Bauch- und Rückenmuskulatur leisten Bauchtücher oder ein Stützgürtel gute Dienste.
  • Schonende, ganzheitliche Bewegungsabläufe, wie sie beispielsweise bei der Wassergymnastik geübt werden, können Schmerzen lindern.

Auf keinen Fall übermäßig schonen, viel besser ist es, immer in Bewegung zu bleiben.

Wenn Sie als Schwangere unter Ischiasschmerzen (Nervenschmerz, oft im unteren Rücken mit Ausstrahlung ins Bein) leiden, sollten Sie keinesfalls den Schmerz durch eingeschränkte Bewegung und lang anhaltende Ruhephasen zu vermeiden versuchen. Dies bewirkt oft eine Verstärkung der Verspannung und verstärkt noch die Schmerzen. Eine medikamentöse Behandlung von Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft ist nicht empfehlenswert. Bei akuten starken Schmerzen kann gelegentlich Paracetamol oder Ibuprofen genommen werden.

Schmerzbehandlung mit Medikamenten:

  • Paracetamol
    Es gilt als ein sicheres Schmerzmittel in der Schwangerschaft. Experten sind sich noch uneinig, ob es einen Zusammenhang zwischen einer Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und einem späteren Hyperaktivitätssyndrom beim Kind gibt. Auch ein vermehrtes Auftreten von Asthma und von Hodenhochstand bei Jungen zeigten sich in Studien. Über diese Untersuchungen sollten Schwangere unbedingt informiert werden.
  • Ibuprofen
    Ibuprofen wirkt bei Erwachsenen erst ab einer Dosierung von 400 mg, besser 600 mg, so dass Sie, wenn Sie sich in der Schwangerschaft zur Einnahme dieses Medikamentes entschieden haben, nicht zu niedrig herangehen sollten: Die Einzeldosis von 600 mg kann drei -  bis viermal pro Tag eingenommen werden, wenn es sich um starke Schmerzen handelt, die anders nicht zurückgehen.
    Ibuprofen sollte jedoch wie alle diese Nicht-Opioid - Schmerzmittel jenseits der 28. SSW nur unter besonderer Vorsicht angewandt werden, da es in späteren Phasen der Schwangerschaft zu einer Veränderung des Kreislaufssystems des Ungeborenen führen kann.
    Es ist ein weiteres sicheres Analgetikum in der frühen Schwangerschaft und hat gegenüber Paracetamol den Vorteil der besseren Wirksamkeit auch bei stärkeren Schmerzen.
  • Opioide 
    Sie dürfen bei starken und stärksten Schmerzen, z.B. bei schweren Tumorschmerzen, nach einem Unfall oder einer Operation, auch in der Schwangerschaft gegeben werden, wobei das immer eine Arztentscheidung sein muss. Opioide dürfen während der gesamten Schwangerschaft gegeben werden.
    Falls dies erforderlich sein sollte, muss für die Entbindung darauf geachtet werden, dass unbedingt ein Neonatologe ( Facharzt für Neugeborene ) für die Phase nach der Geburt bereit steht, da beim Neugeborenen mit einer Atemdepression (Verringerung von Atemzügen)  und mit Entzugssymptomen zu rechnen ist.


Welche Medikamente sind nicht zu empfehlen?

Als unsicher, weil entweder schädliche Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind oder Auswirkungen auf den Ablauf der Schwangerschaft drohen, gelten folgende Medikamente:

Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®)Nicht erlaubt, da Risiko nicht auszuschließen
Diclofenac (z.B. Voltaren®)Eingeschränkt erlaubt vom 1.-6. Monat, nicht erlaubt vom 6.-9. Monat, da Gefahr von Kreislauf- und Nierenfunktionsstörungen
Naproxen, Indometacin, PiroxicamNicht erlaubt, da nicht ausreichende Erfahrungen
Meloxicam (Mobec®)Nicht erlaubt, da nicht ausreichende Erfahrungen
Coxibe wie Celecoxib (Celebrex®) oder Etoricoxib (Arcoxia®)Nicht erlaubt, da nicht ausreichende Erfahrungen
Flupirtin (z.B. Katadolon®)Nicht erlaubt, da nicht ausreichende Erfahrungen
Kortison-Präparate Prednisolon (z.B. Decortin® H), Prednison (z.B. Decortin®)Eingeschränkt erlaubt, Arztentscheidung!
Mittelstarke Opioide ( Tramadol, z.B Tramal®, Tilidin, z.B. ValoronN®)Erlaubt, aber Vorsicht gegen Ende der Schwangerschaft wegen Atemstörungen beim Neugeborenen
Starke Opioide, Morphin (z.B. MST® Oxycodon (Oxygesic®, Hydromorphon)Erlaubt, aber Vorsicht gegen Ende der Schwangerschaft wegen Atemstörungen beim Neugeborenen
(Palladon®, Jurnista®, Fentanyl Metamizol (z.B. Novalgin®)Eingeschränkt erlaubt bei krampfartigen Schmerzen

 

Bitte beachten Sie, dass Sie generell Schmerzmittel nur bei zwingender Notwendigkeit einnehmen und den Einsatz von Kombinationspräparaten (das sind Arzneimittel mit mehreren Wirkstoffen) auf jeden Fall vermeiden. Leider gehört gerade das am meisten in Deutschland verkaufte Schmerzmittel Thomapyrin® zu diesen Kombinationspräparaten. Wichtige Regeln zur Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft:

  • Verantwortungsvoll und mit Bedacht mit Arzneimitteln umgehen. Dabei gilt: so wenig wie möglich, so viel wie notwendig.
  • Medikamente stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen.
  • Langzeitmedikationen oder laufende Therapien niemals eigenmächtig reduzieren oder absetzen.
  • Ebenso wenig aber im Falle einer akuten Erkrankung aus Angst auf eine Behandlung verzichten.
  • Medikamente ausschließlich aus der Apotheke, niemals aus unsicheren Quellen, wie etwa dem Ausland oder dem Internet beziehen.
  • Vorsicht mit sogenannten „Naturheilmitteln“. Sie enthalten nicht selten Giftstoffe oder zumindest für das Ungeborene schädliche Substanzen.
  • Für Frauen, die wegen besonderer Erkrankungen regelmäßig von verschiedenen Fachärzten unterschiedliche Arzneimittel verschrieben bekommen, empfiehlt sich der "Arzneimittelpass für Schwangere und Stillende". Er enthält neben einem umfangreichen Ratgeber-Teil ausreichend Platz zum Eintragen sämtlicher Medikamenteneinnahmen. Dieser lässt sich gegen 3,00 Euro in Briefmarken und einen ausreichend frankierten Rückumschlag beim Deutschen Grünen Kreuz bestellen.

Migränebehandlung in der Schwangerschaft:

Migräne kommt auch während der Schwangerschaft und Stillzeit vor. Allerdings berichten viele Migräne-Patientinnen, dass die Zeit der Schwangerschaft und zum Teil auch noch die Stillzeit die Phasen in ihrem Leben mit den wenigsten Migräne-Attacken waren, zum Teil sogar bis zu einem völligem Verschwinden.

Nicht-medikamentöse Migränebehandlung in der Schwangerschaft:
Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf den nicht - medikamentösen Maßnahmen:

  • Leichte sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Yoga, Gymnastik oder Spaziergänge.
  • Bewährt haben sich Entspannungsübungen.
  • Auf regelmäßigen Schlaf achten.
  • 2 Liter Flüssigkeit sollten Schwangere mindestens jeden Tag zu sich nehmen. Ideal sind Wasser, Früchte- oder Kräutertee, sowie verdünnte Fruchtschorlen.
  • Sinkt der Blutzuckerspiegel ab ( was er in der Schwangerschaft häufig tut ), kündigen sich häufig Kopfschmerzen an. Tipp für Schwangere: Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten und packen Sie sich bei Spaziergängen oder während der Arbeit für unterwegs kleine Snacks wie Früchte, Müsliriegel oder Nüsse in die Tasche.
  • Die Ernährungsgewohnheiten überprüfen. Durch die gesündere und bewusstere Ernährung und durch den Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft verringern sich oft die Häufigkeit und die Schwere der Schmerzanfälle.
  • Bei akuten Kopfschmerzen und Migräneanfällen wirkt eine kalte Kompresse auf Stirn, Schläfe oder im Nacken.
  • Professionelle Massagen durch einen Physiotherapeuten können verspannte Regionen im Nacken oder Rücken sanft gelöst werden und können Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen. Sie sollten jedoch einen Physiotherapeuten wählen, der Erfahrung mit der Massage von Schwangeren hat.
  • Pfefferminzöl mit leichtem Druck auf Schläfen, Stirn und Nacken einmassieren. Nach Absprache mit dem Arzt können auch Vitamin-B2- oder Magnesiumpräparate helfen, der Migräne vorzubeugen.

Medikamentöse Therapie bei Migräne in der Schwangerschaft:
Paracetamol und Ibuprofen sind für die Behandlung von Migräneattacken in der Schwangerschaft Mittel der ersten Wahl. In der Stillzeit ist es Ibuprofen. Die ausreichend hohe Dosierung ist entscheidend: Paracetamol soll mit mindestens 500 mg, besser 1000 mg bis zu maximal viermal am Tag gegeben werden, von Ibuprofen sollte bis zu viermal pro Tag 600 mg verabreicht werden. Ist bei schwerer und/oder häufiger Migräne eine Migräneprophlaxe (vorbeugende medikamentöse Behandlung) notwendig, kann Metoprolol (Beloc®) 50 – 100 mg pro Tag zum Einsatz kommen.
Gegen Übelkeit ist Dimenhydrinat ( Vomex A® ) das Mittel der ersten Wahl. Dies gilt sowohl für die Schwangerschaft, als auch für die Stillzeit. Da ein wehenfördernder Effekt diskutiert wird, sollte es bei Frühgeburtsgefährdung zurückhaltend eingesetzt werden. Es geht nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über.
Aus der großen Gruppe der Triptane, die üblicherweise gegen Migräne verabreicht werden, liegen für Sumatriptan die besten Ergebnisse in Schwangerschaft und Stillzeit vor.

  • Sumatriptan  (Imigran®)  25mg / 100mg (Tablette, Nasenspray,)
  • Sumatriptan  (Imigran®)  6 mg subcutan Einmalspritze oder Pen

Eine erneute Verschlechterung der Migräne nach der Geburt kann häufig noch hinaus-gezögert werden, solange die Kinder voll gestillt werden.

Schmerzbehandlung rund um die Entbindung:

Die Vorstellung, unter der Geburt auf Schmerzmittel zu verzichten, um das noch ungeborene Kind zu schützen, ist in den allermeisten Fällen ein grober Fehler.

Je länger die Schwangere während des Geburtsvorganges unter Schmerzen leidet, weil sie auf geburtserleichternde Maßnahmen verzichten möchte, desto schlechter sind während dieser Zeit die Schwangere und das noch nicht geborene Baby versorgt.

  • Starke Schmerzen während der Wehenphasen sorgen dafür, dass das Ungeborene schlechter mit Blut und Sauerstoff versorgt wird.
  • Starke Schmerzen während der Wehenphasen sorgen dafür, dass sich die Schwangere später nur mit Schrecken an diese Phase zurückerinnert.
  • Starke Schmerzen während der Wehenphasen sorgen dafür, dass die Schwangere nach der Geburt des Kindes völlig erschöpft ist und das Ereignis der Geburt gar nicht in allen Aspekten erleben kann.

Eine gute und rechtzeitig durchgeführte Schmerztherapie bewirkt, dass die Schwangere über eine wesentlich kürzere Dauer von Schmerzmedikamenten Gebrauch machen wird.

Geburtserleichternde Maßnahmen:

Das Empfinden von Schmerzen unter der Geburt ist individuell verschieden und von vielen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel dem Schwangerschaftsverlauf, der persönlichen Vorgeschichte, der Dauer des Geburtsverlaufes, den Ängsten und vielen anderen mehr. Hierin begründet sich auch ein sehr individuelles Bedürfnis nach geburtserleichternden Maßnahmen. Wehen entstehen durch die Ausschüttung von körpereigenen Hormonen. Hierbei zieht sich die Gebärmutter regelmäßig zusammen und schiebt so das Kind durch den Muttermund und den Geburtskanal. Einwirkungen anderer Hormone verbessern die Dehnungseigenschaften des Muttermundes und der Scheide. Körpereigene Stoffe sorgen dafür, dass die Schmerzempfindung unter der Geburt und der Dehnungsschmerz am Muttermund herabgesetzt sind.
Wenn dieses nicht ausreicht, um den Wehenschmerz genügend zu mindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Patientinnen ohne Medikamente mit Zuwendung, Beistand und alternativen und medizinischen Mitteln zu helfen. Das Einnehmen verschiedener Positionen und eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit unter der Geburt können das Empfinden von Schmerzen herabsetzen. Ebenso hilft vielen Frauen das warme Wasser eines Bades zum Entspannen und Krampflösen. Hilfreich ist auch, wenn die Schwangere einen Geburtsvorbereitungskurs besucht hat.
Für viele, allerdings nicht alle, Frauen ist es wichtig zur Geburt vom Partner begleitet zu werden. Er kann dann, insbesondere wenn Sie eine gemeinsame Geburtsvorbereitung besucht haben, durch Zuwendung und Massage dazu beitragen, dass Sie sich besser entspannen können.  Alternativ kann auch die Begleitung durch eine andere vertraute Person z.B. eine Freundin, zum Wohlergehen beitragen.

Akupunktur kann das Schmerzempfinden unter der Geburt herabsetzen, indem mit dünnen Nadeln an speziellen Punkten ein Reiz gesetzt wird. Besonders günstig wirkt sich Akupunktur aus, wenn Sie sie bereits im Vorfeld kennen gelernt haben.
Sofern Sie für das Thema Homöopathie zugänglich sind, können homöopathische Medikamente für die verschiedenen Phasen und Situationen unter der Geburt eine Hilfe sein.

Gelegentlich wird Butylscopolamin ( Buscopan®) als geburtserleichterndes Mittel empfohlen. Die entspannende Wirkung ist aber meist viel zu gering.

In manchen Bereichen wird unter der Geburt noch auf die Inhalation von Lachgas – Gemischen zurückgegriffen. Hiervon ist wegen möglicher Nebenwirkungen auf Schwangere und Kind aber abzuraten.  

Die Epiduralanästhesie oder Periduralanästhesie (Teilbetäubung von Nerven) ist die wirkungsvollste Art der geburtshilflichen Schmerzlinderung. Sie sollten diese Methode schon vor dem Entbindungstermin kennen und sich vorher darüber informieren. Sollten die Schmerzen unter der Geburt für die Patientin nicht tolerierbar sein, kann jederzeit, nach entsprechender Aufklärung, die Epidural (EDA) – oder Periduralanästhesie durch den Narkosearzt (Anästhesisten) gelegt werden. Der Vorteil für Sie ist, dass hiermit eine weitestgehende Schmerzfreiheit erreicht wird, ohne dass Ihr Bewusstsein beeinträchtigt wird. Im Gegensatz zu früher kann man trotz EDA aufstehen (Walking EDA) und sich ungehindert bewegen.
Besonders bei sehr lange dauernden und sehr schmerzhaften Geburten wird auch der Geburtsverlauf günstig beeinflusst. Die Muttermundöffnung zum Beispiel erfolgt oft schneller und weniger schmerzhaft.
Bei der Epidural -  oder Periduralanästhesie wird im unteren Rückenbereich ein Lokalanästhetikum zwischen zwei Lendenwirbeln in den Wirbelkanal (genauer: den Epiduralraum, der zwischen Wirbelkanal und der äußeren Hülle des Rückenmarks liegt) gespritzt, wodurch eine Betäubung etwa vom Bauchnabel abwärts erreicht wird. Die Wirkung setzt nach 5-10 Minuten ein. Da es sich um eine Teilbetäubung, auch Regionalanästhesie genannt, handelt, erlebt die werdende Mutter die Geburt auf Wunsch bei vollem Bewusstsein. Es kann auch ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben werden, wenn man die Wachheit nicht möchte.
Die Dosis des Lokalanästhetikums wird so gewählt, dass der Geburtsschmerz weitgehend ausgeschaltet ist, jedoch die Beine und die Bauchmuskulatur weiterhin aktiviert werden können (wichtig für das Pressen).

Um die Schmerzlinderung auch über Stunden aufrecht erhalten zu können, wird vor Entfernung der Injektionsnadel ein dünner, flexibler Katheter eingeführt und mit einer Klebefolie am Rücken befestigt. Diesen Katheter merken Sie, auch wenn Sie auf dem Rücken liegen, überhaupt nicht, weil er extrem dünn ist. Durch den Katheter können im Verlauf der Geburt weitere Medikamente (Lokalanästhetikum, Opiate) nach Bedarf gegeben werden.
Bei den meisten Frauen wirkt diese Form der Schmerzausschaltung sehr gut mit relativ geringen Nebenwirkungen, wie z.B. Juckreiz. Schmerzen werden stark reduziert oder ganz ausgeschaltet. Es brauchen keine zusätzlichen Schmerzmittel mehr angewandt zu werden, falls ein Dammschnitt (Episiotomie) erforderlich ist, bzw. nach der Entbindung genäht werden muss.

Auch ein notfallmäßiger Kaiserschnitt kann nach Dosiserhöhung über den EDA-Katheter ohne zusätzliche Narkose durchgeführt werden. Speziell ein Kaiserschnitt ist für die Ärzte heute Routine, für die Schwangere ist es aber eine große Operation, die in der Folge naturgemäß starke Schmerzen mit sich bringen kann. Es ist unsinnig und nachteilig, auf Schmerzmittel nach einer solch großen OP zu verzichten. Die folgenden Schmerzmittel, die nach einem Kaiserschnitt zur Verfügung gestellt werden, sind als unbedenklich, auch in der Stillzeit, eingestuft worden. Dazu gehören: Ibuprofen, Paracetamol, und bei starken, andauernden Schmerzen auch Piritramid ( Dipidolor®) in Einzeldosen.

Wichtig: Viele Schwangere, die eine „natürliche“ Geburt wünschen, schließen schon im Vorfeld jegliche geburtserleichternde Maßnahmen aus. Sie unterschreiben z.B. dem Anästhesisten, der ihnen bei der Kreissaalbegehung die Möglichkeiten geburtserleichternder Maßnahmen, z.B. die Epiduralanästhesie, vorstellt und Sie darüber aufklären will, dass sie diese Maßnahmen auf keinen Fall wünschen. Damit der Anästhesist in dem Fall, dass Ihnen während der Geburtsphase die Schmerzen doch zu stark werden, helfen kann und darf, sollten Sie bei dieser zunächst von Ihnen ausgesprochenen Ablehnung den Zusatz „derzeit“ mit aufnehmen lassen.

Dann können Sie, weil Sie ja schon über das Verfahren aufgeklärt sind, trotz der primären Ablehnung dieser Technik, bei allzu stark werdenden Schmerzen und vor dem Eintreten völliger Erschöpfung, eine Epiduralanästhesie erhalten. Die Schwangere sollte allerdings auch vor medikamentöse Hilfen in der Phase nach der Geburt keine übertriebenen Ängste haben:

  • Schmerzen sorgen dafür, dass die Schwangere sich schlecht bewegen kann.
  • Schmerzen sorgen dafür, dass die Schwangere ihr Baby kaum heben kann.
  • Schmerzen sorgen dafür, dass die Muttermilch viel schlechter fließt.

Medikamente in der Muttermilch:
Tendenziell wird die Giftigkeit von Medikamenten in der Muttermilch eher überschätzt. Dies hat oft zur Folge, dass die junge Mutter entweder auf ein für sie wichtiges Arzneimittel oder auf das Stillen verzichtet. Dabei ist das auch bei schweren chronischen Krankheiten oft nicht nötig. So können durchaus Schmerzmittel und einige altbewährte Mittel gegen rheumatische Krankheiten – die sich manchmal in der Schwangerschaft bessern und danach heftig zurückmelden – oder gegen chronisch - entzündliche Darmerkrankungen ohne ernsthafte Bedenken genommen werden.
Mütter sollen bei medikamentöser Schmerztherapie nicht grundsätzlich zum Abstillen gedrängt werden. Bestimmte Vorgaben sollten eingehalten werden:

  • Einnahme von Analgetika grundsätzlich direkt nach dem Stillen oder abends
  • Konzentration der Medikamente in der Muttermilch ist nach ein bis zwei Halbwertzeiten nur noch gering
  • Medikamentenwechsel (z.B. zwischen PCM und Ibuprofen) kann sinnvoll sein
  • Schmerztherapie der Mutter geht vor.

WEB-Tipp: Unabhängige Informationen zur Verträglichkeit von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit der Charité-Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de

Zusammenfassend sollte Ihnen klar sein, dass Schmerztherapie auch in der Schwanger-schaft und während der Stillperiode möglich ist, wobei nichtmedikamentöse Verfahren naturgemäß sicherer sind. Aber auch eine medikamentöse Schmerztherapie kann, wenn sie medizinisch notwendig ist, bei entsprechender Vorsicht und Kenntnis der geeigneten Medikamente auch während der Schwangerschaft und der Stillzeit mit größtmöglicher Sicherheit für die Mutter und ihr Kind durchgeführt werden.

Autor: Peter Hoffmann