Messung der Schmerzstärke

Wie stark die aktuell erlebten Schmerzen sind, kann einem Menschen nicht ohne weiteres von außen angesehen werden. Dieser Umstand erschwert es oftmals, dass Schmerzpatienten von ihrem Umfeld (Familie, Arbeitsplatz) mit ihrem Schmerzproblem verstanden und angenommen werden. Manchmal kann der Gesichtsausdruck Hinweise auf die gerade erlebten Schmerzen geben, was in der Versorgung von Neugeborenen zur Abschätzung der Schmerzstärke herangezogen wird.

Übrigens

Schmerzen sind zwar ein individuelles und von jedem Menschen anders empfundenes Sinnes- und Gefühlserlebnis. Dennoch können sie gemessen werden. Bis heute gibt es allerdings kein sicheres Verfahren, um ohne Mithilfe des Patienten die genaue Schmerzstärke zu ermitteln.

Aber schon beim Kleinkind wird versucht, die Schmerzmessung durch Einsatz von Schiebereglern genauer zu erfassen. Dabei schiebt das Kind den Schieber auf eines von mehreren verschiedenen Gesichtern, die einen eher lächelnden oder schmerzverzerrten Gesichtsausdruck zeigen. Wird der Schieber umgedreht, kann auf der Rückseite die Schmerzstärke auf einer visuellen Analogskala (VAS) abgelesen werden. Die Skala reicht von der Startmarkierung „0 = kein Schmerz“ bis zur Markierung „10 = stärkster vorstellbarer Schmerz“ und erlaubt die Erfassung der aktuellen Schmerzstärke des jungen Patienten. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird auf den Umweg über die „Smileys“ verzichtet und meist direkt nach der Schmerzschätzung als Zahl zwischen „0“ und „10“ gefragt (numerische Analogskala).

Zur Messung der empfundenen Schmerzstärke stehen also verschiedene Messmethoden (Skalen) zur Verfügung, die je nach Alter und Kultur des Patienten zum Einsatz kommen.

Schmerzmessung am Krankenbett

In der Klinik sollte der Schmerz mehrmals täglich am Krankenbett gemessen werden, und zwar etwa eine Stunde nachdem der Patient sein Schmerzmittel eingenommen hat. So lässt sich einschätzen, wie hoch der Bedarf an Schmerzmitteln ist und ob eventuell die Dosierung verändert werden muss. Auch der Erfolg einer Schmerztherapie kann so beurteilt werden.

Durch die regelmäßige Schmerzmessung wird die Schmerztherapie ständig den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst. So wird verhindert, dass der Schmerz dauerhaft (chronisch) wird.

Für die Erfassung der Schmerzstärke im Verlauf ist es wichtig, immer dieselbe standardisierte Skala zu verwenden und sowohl den Schmerz in Ruhe (Ruheschmerz) als auch unter Belastung (Belastungsschmerz) zu messen. Damit besondere Schmerzereignisse mit dem tageszeitlichen Verlauf oder bestimmten Beanspruchungen in Zusammenhang gebracht und gezielt behandelt werden können, werden die Messwerte aufgezeichnet, entweder in Form einer Tabelle oder eines Schmerztagebuchs. Ein weiteres wichtiges Ziel der regelmäßigen Schmerzmessung ist es, durch die wiederholte Anpassung der Therapie an die individuellen Erfordernisse einer Chronifizierung der Schmerzen vorzubeugen, also dem Übergang vom akuten in einen lang anhaltenden oder dauerhaften Schmerz, vorzubeugen.

 

Autor: Raimond Hoche